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Alles ist eine Spirale

Alles ist eine Spirale.
In meinen frühen Zwanzigern, es muss im Jahr 2000 gewesen sein, wurde in Österreich New Age populär.
Es war die Zeit in der viele Menschen begannen bewusster zu denken und sich und das Leben zu hinterfragen.
In Wien wurde 2000 der erste Bio-Supermarkt eröffnet und die Esoterikläden boomten. Reiki, Meditation, Fantasiereisen, Yoga, Pflanzenmedizin, Astrologie und Human Design wurden populär. Das Gesetz der Anziehung und die "Wünsche ans Universum" wurden Begriffe jener Zeit und es entstanden Läden, in denen man Naturkosmetik, Heilsteine, Räucherstäbchen und Feng-Shui Artikel kaufen konnte. Mein damaliger Partner (heute mein Exmann) hatte zu dieser Zeit auch so einen Laden.
Mir gefiel dieses "New Age". Ich las damals Eckart Tolle und "Gespäche mit Gott" von Neal D. Walsh und war sogar auf einem 3tägigen Seminar von ihm, welches er damals im Wiener Prater veranstaltete. Wir waren gerade mal 12 Teilnehmer - niemand kannte ihn zu der Zeit in Österreich.
So war ich Teilnehmerin an vielen solcher Seminaren und Ausbildungen, unter anderem lernte ich auch Chi-Gong kennen. Einmal pro Woche fuhren wir zu "Meister Lim" und lernten die Bewegungsabfolgen des "Duft Chi-Gongs".
Unser Lehrer war ein "Native-teacher", so konnte er, trotz guter Deutschkenntnisse, das "R" nicht aussprechen. Ich erinnere mich bis heute, als er während den Übungen, in seinem melodischen Sprachklang wiederholte:
"Alles ist eine SPILAAALE.“
Mit diesem einfachen Satz, der mich tief begeisterte, begann ich zu sehen und verstehen, dass unser gesamter Planet, unser gesamtes Sein, ja sogar das Universum selbst, von Spiralen durchzogen ist.
Nicht nur als poetisches Bild, sondern als Grundmuster des Lebens.
Alles dreht sich.
Die Galaxien drehen sich spiralförmig, unsere Erde kreist spiralförmig um die Sonne und bewegt sich gleichzeitig spiralförmig durchs Universum. Sonnenwinde und Lichtströme verlaufen in spiralisierten Formen. Wirbelstürme, Tiefdruckgebiete, Tornados - alles reine Spiralenergie.
Wasser meandiert und bewegt sich spiralförmig, Flüsse bilden Wirbel, Meere drehen Strömungen.
Pflanzen wachsen nicht gerade aus der Erde, sondern winden sich. So auch unsere Haare, die nicht gerade aus der Kopfhaut wachsen.
Die Sonnenblume, der Tannenzapfen, der Farn ... alle folgen der Spirale, der Fibonacci-Spirale.
Die Doppelhelix der DNA ist gewendelt. Ein Baby dreht sich aus dem Mutterleib, verbunden durch eine spiralförmige Nabelschnur. Unsere Fingerabdrücke sind Spiralen die das individuelle Sein ausdrücken, unsere Muskeln und Faszien verlaufen spiralförmig. Ja, sogar der Herzmuskel ist wie ein gewundener Strang gebaut, der sich bei jedem Schlag spiralförmig "auswringt".
Selbst im kleinsten Maßstab bewegen sich Elektronen spiralisiert um ihre Bahn, sobald Magnetfelder auf sie einwirken.
Und im größten Maßstab tanzen Sterne in Spiralen um das Schwarze Loch im Galaxienzentrum.
Je länger man hinsieht, desto deutlicher erkennt man...
Die Natur kennt keine Geraden!
Sie kennt nur Spiralen, Wellen und Wirbel.
Auch wir Menschen entwickeln uns spiralförmig.
Wir glauben manchmal, wir seien "zurückgefallen", wenn ein Thema wieder auftaucht, das wir längst bearbeitet glaubten.
Wir denken: "Warum ist das schon wieder da? Ich dachte ich wäre darüber schon hinweg, ich dachte ich hätte es schon gelöst!"
Dann glauben wir wieder "am Anfang zu sein".
Doch das stimmt nicht!
Wir sind nicht am Anfang.
Wir sind eine Ebene tiefer - oder höher (wie man mag) - nur eben wieder auf derselben Spirallinie unseres Lebens.
Jedes Thema kommt wieder, nicht um uns zu ärgern, sondern um uns weiterzuführen und uns noch tiefer zu uns selbst zu bringen.
In der Philosophie und Psychologie gibt es ein Konzept, das exakt beschreibt, wie wir Menschen verstehen, lernen und reifen.
Die hermeneutische Spirale.
Sie besagt, dass wir niemals "fertig verstehen".
Wir erfassen etwas, wir erleben etwas und später, mit mehr Erfahrung, mehr Bewusstsein oder mehr innerer Weite, verstehen wir dasselbe erneut, aber tiefer, umfassender, klarer.
Genau wie in der Natur kehren wir immer wieder an scheinbar "gleiche Punkte" zurück, nur auf einer neuen Ebene.
Wir interpretieren neu. Wir fühlen neu. Wir erkennen neu.
Unser Verständnis wächst spiralförmig.
Vom Groben zum Feinen, vom Außen zum Innen und von der Oberfläche zur Essenz.
Die hermeneutische Spirale zeigt, dass wir nicht wiederholen, sondern VERTIEFEN und DAS ist die Natur der Spirale.
Die Natur ist kein Kreis, der sich schließt und auch keine Linie, die sich von A nach B zieht, sondern ein Weg, der uns gleichzeitig nach innen und nach außen führt.
Je mehr ich dieses Prinzip verstanden habe, desto milder wurde ich mit mir selbst und desto leichter konnte ich akzeptieren, dass Wachstum niemals linear ist und dass Heilung nie geradeaus geht.
Dass sich Erkenntnisse immer wiederholen, mit einer immer höheren Schwingung, ist für mich das wohl schönste Naturgesetz.
Wir sind NIEMALS fertig!
Wir verfeinern, vertiefen und wir entwickeln uns weiter.
Alles auf diesem Planeten erinnert uns daran, dass wir spiralförmige Wesen in einem spiralförmigen Universum sind.
Wenn wir beginnen, uns nicht mehr für "Rückschritte" zu verurteilen, dann können wir endlich mit dem Leben mitschwingen. Dann müssen wir nicht mehr "gegen den Strom" schwimmen, sondern können uns ganz dem meandierenden Lebensfluss hingeben.
Mit der Natur und mit der Bewegung.
Mit unserer eigenen inneren Spirale.
Und so wiederhole ich bewusst und gerne nochmal die Worte meines Tai-Chi-Lehrer und lasse sie auch in mir nochmal nachhallen...
"ALLES IST EINE SPILAAALE".
An'Anasha
Eure Stefanie Laura'Adjana ❤