Nach der toxischen Beziehung - echte Nähe braucht Zeit.
Nach einer toxischen Partnerschaft hat man oft das Gefühl, nie wieder jemanden kennenlernen zu wollen. Denn man hat endlich begriffen, wie viel es kostet, sich selbst zu verlieren.
Ich hatte auch keine Lust mehr auf Verliebtheit. Nicht auf dieses rosa Wolkengedusel, das meine Intuition ausschaltet und mich blind macht für Warnsignale.
Ich wollte kein Love-Bombing mehr. Keinen Beziehungsdruck.
Keine überschwänglichen Schwüre.
Kein "Du bist meine Seelenpartnerin" nach wenigen Tagen.
Ein toxischer Partner bindet dich ja besonders schnell, nicht weil er so unfassbar liebt, sondern weil er Kontrolle braucht.
Darum wirst du am Anfang überschüttet mit "Brimborium" und "Love-Love-Love".
Alles ist zu viel, zu früh, zu intensiv. Aber - du nimmst es persönlich und glaubst: "Wow wie dieser Mann mir seine Liebe zeigt!" Du bist baff, überwältigt und echt geplättet von so viel Charme
und Charisma.
Ein Dopaminrausch und echte Überwältigung.
Dein Verstand hat keine Chance mitzudenken und nach ein paar Tagen bist du so auf der "Dopamin-Welle", dass du gar nicht mehr denken möchtest.
Ein Mensch mit narzisstischen Persönlichkeitsanteilen lullt dich ein mit Worten, die du immer hören wolltest.
Tut Dinge, die du dir immer gewünscht hast.
Malt die perfekte Zukunft und zwar in einem Tempo, bei dem dir fast schwindelig wird. Die Geschwindigkeit und der zeitliche Druck sind übrigens typische Merkmale solcher Verbindungen. Natürlich
gibt es ganz tolle Männer, die ihre Frauen verwöhnen und umwerben - doch machen sie keinen Druck dabei.
Nach spätestens drei Monaten kommt irgendetwas Dramatisches:
Ein Heiratsantrag, ein Zusammenziehen, ein gemeinsames Projekt, oder ein anderer Bindungsakt, der eine spätere Loslösung langwieriger und komplizierter macht.
Es geht nie darum, eine stabile Zukunft aufzubauen es geht darum, dich festzuhalten. Dich unmerklich zu binden.
Dich abhängig zu machen, bevor du überhaupt erkennst, wer dir da eigentlich gegenübersteht.
Und genau deshalb wollte ich nach meiner toxischen Beziehung einfach GAR NICHTS mehr. Kein Dating.
Keine romantischen Kennenlernphasen.
Keine neuen Risiken.
"Sicher ist sicher", dachte ich und das meinte ich so.
Ich wollte einfach heilen und nicht schon wieder in irgendeine Misere schlittern.
Ich wollte nicht schon wieder meine Grenzen überhören,
meine Intuition übergehen, meine Bedürfnisse verkleinern.
Dazu fühlte ich mich noch nicht stark genug.
Meine Zweifel waren zu groß und meine Unsicherheit zu präsent.
Mein Nervensystem war zu erschöpft, um Nähe auszuhalten.
Einmal traf ich nach der Trennung einen alten Freund aus meiner Jugend. Es tat gut.
Es erinnerte mich daran, was ich eigentlich leben wollte.
Leichtigkeit, Normalität und Echtheit.
Aber es passte nicht, es gestaltete sich als zu kompliziert.
Ich war nicht bereit.
Diese Begegnung war wichtig und war ein Spiegel, kein Neubeginn.
Ich bemerkte damals sehr klar: Ich brauche keine Beziehung.
Ich brauche LIEBE Menschen.
Menschen, die mir guttun, die Nähe schenken ohne Anspruch,
die Vertrauen geben ohne Druck, die mich nicht "haben" wollen,
sondern einfach da sind.
Ich war fast täglich mit solchen Menschen zusammen.
Eine Freundesgruppe, die wuchs, die mich getragen hat,
die mich an das Gute erinnert hat, ohne mich überzustrapazieren. Es war Nähe mit Sicherheitsabstand und eine Verbundenheit ohne Risiko.
Und ja, an meiner Wortwahl erkennt ihr, wie vorsichtig ich damals war. Nach der Loslösung aus einer toxischen Partnerschaft sah ich Nähe anders.
Ich prüfte, spürte, beobachtete. Ich hatte gelernt und mir selbst versprochen, mich NIE WIEDER zu verlieren.
Nach einer toxischen Beziehung ist man nicht weniger beziehungsfähig. Man ist nur beziehungsbewusster!
Ich wusste nun, wie sich echte Gefahr anfühlt und wie sich echte Nähe anfühlen sollte.
Ich sehnte mich nicht nach Verliebtheit, sondern nach Wahrheit.
Nicht nach Feuerwerk, sondern nach Erdung.
Nicht nach Drama, sondern nach Sicherheit.
Und bevor man das mit einem anderen Menschen leben kann,
muss man es erst wieder mit sich selbst können.
Und dazu braucht jeder seine individuelle Zeit.
Nähe braucht Zeit.
An'Anasha
Eure Stefanie Laura'Adjana
