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Xennials

WIR, die Xennials - die Glücklichen dazwischen

Erst vor kurzem habe ich erfahren, dass man eine neue Mikrogeneration eingeführt hat.

Die Xennials !

Und ich muss sagen, das freut mich richtig. Denn ich, als 1977 Geborene, konnte mich in den klassischen Beschreibungen der Generation X nie wirklich wiederfinden. Es war ein bisschen wahr für mich, aber nie so richtig stimmig. Ich fühlte mich eher "dazwischen" - zwischen der Generation X und der Generation Y (den Millennials). Und nun wird alles klar, denn :

Wir SIND diese Zwischenwelt!

Zwischen Generation X, also etwa 1965 bis 1979, und Generation Y, besser bekannt als Millennials von 1981 bis 1996, hat man uns Xennials eingefügt. Die Jahrgänge dazwischen, ungefähr 1977 bis 1985.
Wir gehören zu einer Generation, die es in dieser Form nie wieder geben wird. (Tataaaaa!)

Denn, wir sind die Menschen, die analog geboren und sozialisiert wurden, jedoch digital erwachsen geworden sind. Wir hatten eine Kindheit OHNE Internet und eine Jugend, die plötzlich damit konfrontiert wurde. Wir kannten Standtelefone mit Wählscheibe und Schnur - auch VIERTELTELEFONE (!!!) und dann SMS mit Zeichenlimit.

Wir Xennials sind auch die Generation, die jeden Wandel der Musik erlebt hat. Wir begannen mit Schallplatten, wechselten zu Kassetten, feierten die Revolution der CD, waren die Ersten, die MP3s herunterluden, legal oder weniger legal - und heute streamen wir Musik auf Plattformen, die unendlich erscheinen.
Ich habe auf meinem Dachboden immer noch meinen "Musik-Turm", auf dem ich Platte, Kasette ODER CD spielen kann.

Wir waren mit jeder Entwicklungsstufe vertraut, weil wir sie alle miterlebt haben. Von "Play drücken und hoffen, dass das Band nicht reißt" bis "jeder Song der Welt ist jederzeit abrufbar".

Wenn wir das Haus verließen, schrieben wir Zettel für die Familie und legten sie auf den Küchentisch. Unsere Treffen mit Freunden wurden von einem Mal zum nächsten vereinbart, und man musste erscheinen, weil man keine Möglichkeit hatte abzusagen. Als Kinder schrieben wir den Großeltern Postkarten aus dem Urlaub, als Erwachsene schicken wir Fotos per WhatsApp.

Wir Xennials gehören auch zu jener Generation, die Kinderfernsehen nur stundenweise kannte. Wir mussten warten, bis "unsere Sendung" endlich begann und wenn wir sie verpassten, dann war sie eben weg. Dann kam die VHS und machte das möglich und als Teenager hatten wir 24 Stunden TV und eine Satschüssel am Dach. Von "Am Das Des" und "Pumuckl" zu "BayWatch" und von "Die großen 10" zu MTV.

Wir haben noch gelernt, ohne Social Media zu leben. Wir hatten weder Google noch ChatGPT. Unseren Wissensdurst mussten wir erfragen oder in Bibliotheken stillen. Heute sind wir die ersten, die Wikipedia selbstverständlich nutzen - und zugleich jene, die sich am meisten wundern, warum die Jugend so wenig weiß, obwohl es noch nie so leicht war, an Wissen heranzukommen.

Verliebt haben wir uns im echten Leben, mit Liebesbriefen und heimlichen Treffen im Häuschen an der Bushaltestelle. Später verliebten wir uns auch über ICQ. Und noch später waren wir diejenigen, die die sozialen Plattformen erschaffen haben, über die man sich heute kennenlernt. Wikipedia wurde von Gen-X-Menschen gegründet, aber aufgebaut und mit Leben gefüllt wurde es vor allem von uns Xennials und den frühen Millennials.

Wir sind die Generation der jungen Programmierer, der Ersten im Web, der digitalen Pioniere. Wir waren hier, als das Internet laufen lernte.

Als Integrativ Therapie-Studentin interessiert mich diese Mikrogeneration natürlich besonders. Jede Zeit bringt ihre eigenen sozialen Prägungen, ökonomischen Bedingungen, Krisen, Beziehungsmuster, psychischen Landschaften und Lebensentwürfe hervor. Generationen sind nicht nur Jahrgänge, sie sind psychoemotionale Erfahrungsräume.

Und genau hier wird es spannend.

Wir Xennials sind eine Brückengeneration.
Wir verstehen die Werte, den Ernst und die Bodenständigkeit der Generation X und gleichzeitig die Flexibilität, die Schnelligkeit und das Zukunftsdenken der Millennials. Wir verstehen Dial-up-Modems ebenso wie TikTok, Disketten ebenso wie Clouds, Geduld ebenso wie "same day delivery". Wir können uns noch an die Welt erinnern, in der man eeeewig warten musste, und leben heute in einer Welt, in der alles sofort passiert.

Wir sind schnell und langsam zugleich. Tief verwurzelt und dennoch beweglich. Wir sind mit Entbehrung vertraut und trotzdem auf Fülle ausgerichtet. Wir sind analog sozialisiert und digital Erwachsen geworden. Und gerade deshalb oft so einfühlsam, so adaptiv, so resilient und in gewisser Weise auch so weise. Wir haben gelernt, Wandel nicht zu fürchten, weil wir Wandel vom ersten Tag an erlebt haben.

Wir sind die Generation, die beide Welten kennt und darum auch so gut zwischen ihnen vermitteln kann.

Was ich besonders spannend finde...
Die einzige Generation, die ähnlich tiefgreifende Veränderungen erlebt hat wie wir Xennials, war die Generation in der Zeit der Industrialisierung. Menschen, die um 1850 herum geboren wurden, kamen noch zur Welt, als Pferdekutschen das gewohnte Transportmittel waren und starben in einer Zeit, in der Eisenbahnen, Dampfmaschinen, Elektrizität und die ersten Automobile den Alltag eroberten. Sie erlebten zwei völlig verschiedene Zivilisationsformen innerhalb eines einzigen Lebens.

Und doch unterscheidet uns etwas Wesentliches von ihnen.
Die Geschwindigkeit!

Während die Industrialisierung sich über viele Jahrzehnte erstreckte, fand unser Wandel in einem atemberaubenden Tempo statt. Wir wechselten innerhalb weniger Jahre von Schallplatte zu Kassette, von Kassette zu CD, von CD zu MP3 und schließlich zum Streaming. Vom Standtelefon zur SMS, von ICQ zu Smartphones, von Lexikon zu Google und heute zur KI.

Wir Xennials mussten in kürzester Zeit lernen, zwei Welten gleichzeitig zu bewohnen. Die analoge, in der wir aufgewachsen sind, und die digitale, in der wir erwachsen wurden. Wir sind damit wahrscheinlich die schnellst-adaptierende Generation der Geschichte.

Unsere Kinder, die Generation Z und Alpha, wachsen in einer Welt auf, in der Veränderung nicht die Ausnahme, sondern der Grundzustand ist. Sie kennen nichts anderes als Updates, Umbrüche, neue Systeme, neue Sprachen der digitalen Welt. Für sie ist Wandel nicht bedrohlich, sondern selbstverständlich.

Ich glaube, genau deshalb brauchen sie uns Xennials mehr, als sie selbst vielleicht ahnen.
Denn wir sind die Brücke und sozusagen, der "Missing Link" zwischen zwei Zeitaltern.
Wir tragen die Ruhe des Analogen in uns und die Geschwindigkeit des Digitalen, die Tiefe der alten Welt und die Flexibilität der neuen.

Unsere Kinder erben von uns nicht nur technische Kompetenz.
Sie erben auch emotionale Anpassungsfähigkeit, Krisenstabilität
und die Fähigkeit, Altes zu würdigen und Neues zu integrieren.
Sie lernen hoffentlich die Kunst, das Tempo zu halten, ohne sich selbst zu verlieren.

Wir sind die ersten, die gelernt haben, zwei Wirklichkeiten gleichzeitig zu "managen" und darin zu navigieren.
Das macht uns zu idealen Vorbildern in einer Welt, die immer schneller wird.

Meine drei Kinder, alle Kinder der Generation Z, wachsen bereits in einer Welt auf, die so unfassbar schnell geworden ist, dass meine eigene Kindheit dagegen wie ein Schwarz-Weiß-Film wirkt.
Und manchmal staune ich darüber, wie selbstverständlich sie mit dieser Geschwindigkeit umgehen.

Doch dann erinnere ich mich daran, dass sie etwas ganz Entscheidendes von mir geerbt haben. Diese Xennial-Fähigkeit, Veränderung und Wandel nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Terrain, das man neugierig betreten und entdecken darf.

Und so lehne ich mich als "Xennial" entspannt zurück und fantasiere über die Generation meiner zukünftigen Enkelkinder.
Ich frage mich, warum gerade sie Eltern brauchen werden, denen wir erst zeigen mussten, dass Wandel nichts Bedrohliches ist, sondern ein natürlicher Bestandteil des Lebens.

Denn diese zukünftigen Kinder werden in einer Welt großwerden, in der sich alles noch schneller bewegt, noch komplexer wird und noch weniger stabil erscheint.
Unsere Kinder werden dieser nächsten Generation beibringen können, dass es Sicherheit jenseits der äußeren Sicherheit gibt.

Vielleicht ist das der Auftrag unserer Mikrogeneration?

Die seelische Beweglichkeit auf dem Planeten zu manifestieren
die unsere Enkelkinder eines Tages brauchen werden?
Weil wir diejenigen waren, die den Wandel zuerst erlebt,
verstanden und angenommen haben?

Hmmm... wer weiß...
Darüber werde ich wohl noch öfters philosophieren.

An'Anasha
Eure Stefanie Laura'Adjana ❤