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Des Glick is a Vogerl

"Des Glick is a Vogerl",  sagt man bei uns in Wien.

 

Nicht wie ein Vogerl – sondern es ist eines.

 

Viele Menschen suchen das Glück dort, wo es laut ist und wo es glitzert.
Wo es sich aufdrängt, ruft, verspricht oder lockt.

Doch ein Vogerl macht das nicht.


Ein Vogerl kommt nicht auf Zuruf.
Es landet nicht dort, wo es festgehalten werden soll.
Und es singt nicht für jene, die es besitzen wollen.

Vielleicht sehen wir das Glück deshalb so oft nicht, weil wir gar nicht gelernt haben, auf Vogerl zu achten.

 

Ich begegne in meiner Arbeit immer wieder Menschen,
die sagen:
"Warum habe ich kein Glück?"
"Warum finde ich nicht den richtigen Partner?"
"Warum gelingt es den anderen, nur mir nicht?"

 

Und wenn man genauer hinsieht, merkt man etwas Entscheidendes:
Diese Menschen sind nicht auf das Gute ausgerichtet,

sondern auf das Bekannte.

 

Nicht auf das, was ihnen guttun würde,sondern auf das, was sie gewohnt sind.

Unser Nervensystem sucht keine Erfüllung. Es sucht Vertrautheit.

Und wenn das Vertraute Drama war, Unklarheit, emotionale Distanz oder Kampf, dann fühlt sich Glück ganz fremd an.


Dann wirkt eine gute Beziehung langweilig.
Ein liebevoller Mensch unspektakulär.
Ein stabiler Job verdächtig ruhig.

 

Das Glück sitzt dann vielleicht längst auf dem Fensterbrett, aber wir schauen in die andere Richtung.

 

Ein Vogerl ist leise. Es kommt vorsichtig.

 

Ein Vogerl braucht Sicherheit.

Wer ständig innerlich auf Alarm steht, wer unbewusst auf Gefahr eingestellt ist und wer gelernt hat, dass Liebe weh tut oder Arbeit ausbrennt, der sieht kein Vogerl.

 

Nicht, weil es nicht da ist, sondern weil der Blick dafür nicht geschult wurde.

Glück ist selten laut.
Es ist oft unscheinbar.
Es fühlt sich nicht wie ein Feuerwerk an, sondern wie ein ruhiger Sonnenaufgang.

Und genau das wird häufig verwechselt.

 

Viele Menschen verwechseln Intensität mit Lebendigkeit.
Und Spannung mit Bedeutung.

Doch das Gute fühlt sich oft unspektakulär richtig an.
Nicht aufregend, sondern nur stimmig.
Nicht überwältigend, sondern angenehm.

Eine gute Partnerschaft erkennt man nicht daran, dass sie dich ständig aus der Bahn wirft,
sondern daran, dass du bei dir bleiben kannst.

 

Einen guten Beruf erkennt man nicht daran, dass er dich permanent antreibt,
sondern daran, dass du abends noch du selbst bist.

 

Das Glück ist kein Rausch.
Es ist ein Zustand von innerer Übereinstimmung. Von Kongruenz.

 

Ein Vogerl fliegt weg, wenn man es packen will.
Aber es bleibt, wenn man still wird.

 

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse.


Glück entsteht nicht durch Suchen, sondern durch Ausrichten.

Ausrichten auf das Gute.
Auf das Stimmige.


Auf das, was dich nährt, nicht antreibt oder stresst.

Das braucht Mut.
Denn manchmal bedeutet das, alte Muster loszulassen.
Alte Vorstellungen zu ent-täuschen und alte Ideale endlich zu verabschieden.

 

Manchmal sitzt das Glück schon da, aber wir halten es für zu wenig, weil wir gelernt haben, mehr Drama zu erwarten.

 

Ich glaube nicht, dass Glück selten ist, oder eine Ausnahme.
Ich glaube, es ist einfach sehr fein und fast unscheinbar.

 

Feinheit übersieht man leicht, wenn man auf Lautstärke konditioniert wurde.

Vielleicht dürfen wir wieder lernen, langsamer zu schauen.


Leiser zu fühlen und ehrlicher zu prüfen, was uns wirklich gut tut.

Denn das Glück ist ein Vogerl und es setzt sich nur dorthin, wo es nicht festgehalten wird.

 

Wenn du beginnst, dein Leben auf das Gute auszurichten,
auf das Wahre und echte innere Stimmigkeit, dann verändert sich dein Blick.

 

Dann erkennst du das Glück nicht daran, dass es spektakulär und laut und wild ist, sondern daran, dass es dir gut tut - und bleibt.