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Er meldet sich - und ALLES beginnt von vorne.

Zu mir kommen vor allem Frauen, die unglücklich sind.
In ihrer Ehe, in ihrer Beziehung, oder in der schmerzhaften Abwesenheit einer Liebe.

Mich kontaktieren Frauen, die lieben und gleichzeitig leiden.

Frauen, die sich einen Partner wünschen, während sie innerlich noch gebunden sind.
Oder Frauen, die längst wissen, dass das, was sie leben, nicht mehr guttut, aber nicht wissen, wie sie gehen sollen.

Ich kenne diese Lebenserfahrungen nicht aus Büchern oder Erzählungen, sondern aus meinem eigenen Leben.

Ich bin selber durch all diese inneren Landschaften gegangen.
Durch die Hoffnung und die Verzweiflung, durch das Warten und inneres Verhandeln, durch das stille Wissen,
dass etwas nicht stimmt und auch das nicht-wahrhaben-Wollen.
Ich wollte gehen, aber konnte nicht.

Ich konnte gehen, aber wollte nicht.

So wissen all diese Frauen, dass ich sie niemals verurteile, ganz gleich wie turbulent ihre Geschichte ist. Für mich sind diese Frauen nicht bedürftig und auch nicht abhängig. Ich bemitleide sie nicht - aber ich verstehe sie, weil ich weiß wie sich das anfühlt.

Und selbst wenn ich all das nicht erlebt hätte, würde ich sie nicht verurteilen, aber dann würde mich dieses Thema vermutlich nicht mit derselben Tiefe interessieren und begeistern.

Loslassen ist selten das eigentliche Problem.
Das Problem ist, dass es immer wieder neu verhindert wird.

Denn viele dieser Männer machen es den Frauen nicht leicht.
Nicht, weil sie böse sind, sondern weil auch sie gebunden sind.

Sie melden sich immer wieder.
Mit Nachrichten, die nichts entscheiden, nichts aussagen
und doch alles offen lassen.

"Hallo wie gehts dir, ich habe gerade an dich gedacht!"

Gerade dann, wenn er, der selbst in einer anderen Beziehung lebt, die Frau als eine wohltuende Abwechslung erlebt.

Mit seiner Nachricht sucht er sie auf - den Ort von Wärme, von Verständnis, von Lebendigkeit und von nahezu bedingungsloser Liebe.

In meinen eigenen Jahren damals, wurde mir immer wieder das Gefühl vermittelt, dass er kommen würde.

Nicht heute, nicht morgen - aber irgendwann.

Hätte er mir einmal ehrlich gesagt:
"Du, vergiss es. Ich komme nicht", ich glaube, ich hätte sehr viel früher loslassen können.

Doch das geschieht selten.

Weil auch er nicht loslassen kann.
Weil auch ER den Zustand festhält, den er durch SIE fühlen und spüren kann.

Auch er sehnt sich nach dieser Hoffnung und Zuversicht, nach dem Leichten, dem Liebevollen und nach dem Leuchten.

All das, was er in sich selbst verloren hat
und durch sie für einen Moment wieder spüren kann.

So holt er sich seine Dosis Glück.
Mit einer Nachricht, mit einem kurzen Austausch.
Mit einem kurzen Gefühl von Nähe.

Und sie antwortet.
Liebevoll.
Offen.
Ganz.

Doch mit ihrer Antwort kommt ihre Sehnsucht erneut in Bewegung. Ihre Hoffnung und ihr Warten. Auch sie sehnt sich so sehr nach den verlorenen Teilen. All jenen, die sie durch ihn spürt. Ihr Leuchten, ihre Lebendigkeit.

Und sie klammert sich fest, ganz fest und pocht - unausgesprochen - auf seine Rückkehr.
Sie will sein Bekenntnis, sein "ich liebe dich", sein "ich bin gleich bei dir, du kannst den Tee schon aufsetzen."

Sie sagt nichts, denn sie hat schon gelernt, dass solche Sätze ihn in die Flucht schlagen. Aber sie fühlt es, sie denkt es und sie sendet es aus.

Und genau dort bekommt er Angst.

Denn er spürt IHRE Sehnsucht plötzlich stärker, als seine eigene. Plötzlich müsste er sich entscheiden, Verantwortung übernehmen und er würde etwas verlieren. Plötzlich fühlt er gar keine Leichtigkeit mehr und auch seine Sehnsucht kann er nicht mehr spüren.

Also zieht er sich zurück.
Wieder.

Und sie bleibt zurück, mit noch mehr Hoffnung, noch mehr Fragen und noch mehr innerer Unruhe.

Man könnte jetzt sagen, dass sei eine böse Absicht.
Aber es ist keine Absicht, sondern eine Dynamik.
Eine Dynamik die bindet.

Nicht weil sie aus Liebe verbindet, sondern aus Mangel fesselt.

Und genau an diesem Punkt, komme meist ich ins Geschehen. Denn dann ruft SIE mich an und sagt:

"Steffi, ich brauche deine Unterstützung, ich weiß nicht mehr weiter."

Sie ist müde von all dem Hin und Her und sie ist auch müde davon, sich selbst zu erklären, warum sie von ihm nicht wegkommt.
In ihrem privaten Umfeld findet sie dafür kein Verständnis mehr und die Menschen, die ihr noch zuhören, können sie nicht verstehen.

Wie auch? Versteht sie sich doch selber nicht.

Sie braucht nun keinen Rat, keine Tipps oder gut gemeinte Anleitung zum Glücklichsein.

Sie braucht einen Raum, in dem das eigene Erleben wieder Sinn macht und verständlich erscheint.


Mehr nicht.


An'Anasha
Eure Stefanie Laura'Adjana <3