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Lass NICHT los. Halte fest.

 

Ich halte nichts vom aktiven Loslassen.
Nicht, weil ich dagegen bin, dass Menschen sich innerlich lösen, sondern weil das Wort an vielen Stellen schlicht nicht passt.

Loslassen kann man nur etwas, was man davor in den Händen hatte. Wie soll man also etwas loslassen, das man nie wirklich halten durfte?

Viele Frauen, die zu mir kommen, erzählen eine sehr ähnliche Geschichte.
Sie haben einen Mann kennengelernt.
Es gab Nähe, Intensität, Verliebtheit und ein Gefühl von Besonderheit.

Anfangs war er da, interessiert, zugewandt, liebevoll und körperlich angezogen.

Dann zog er sich auf eimal zurück.
Nicht klar und eindeutig.
Nicht ehrlich und nicht entschieden.

Er sagte nicht:
"Du, ich hab mir das anders überlegt, ich will keine Beziehung."
Oder:
"Ich hab mich geirrt, wir passen nicht zusammen, ich möchte keine Beziehung mit dir."

Er sagte oft gar nichts und ging.

Und wirklich "gehen und fernbleiben" tat er aber auch nicht, denn er meldete sich immer mal wieder.

Dann schrieb er und fragte nach und dann tauchte er plötzlich auf und verschwand wieder.

Virtuell streckte er immer wieder seine Hand aus, gerade so weit, dass die Verbindung NICHT abreissen konnte.
Gerade so wenig, dass sie nicht wirklich beginnen konnte.

Dieses Spiel wird so lange nicht beendet, bis sich die (meist) Frau Hilfe sucht.
Und dann sagt man diesen Frauen:
"Du musst ihn loslassen."

Und das ist für mich der größte Blödsinn!
Loslassen...
Was genau soll sie denn loslassen?

Eine Beziehung, die nie begonnen hat?

Eine Liebe, die nie im Alltag landen durfte?

Ein Wir, das nie gelebt wurde, sondern nur gefühlt?

Das Wort Loslassen tut hier so, als hätte es etwas Greifbares gegeben.
Etwas Ganzes.
Etwas, das man bewusst halten und dann bewusst seinlassen kann.

Doch das stimmt nicht!

Diese Frauen halten doch keine Beziehung fest!
Diese Frauen krallen sich ja nicht an einen Mann der kein Interesse an ihnen hat!

Sie halten an einer Möglichkeit fest.
An einer Hoffnung und einer Ahnung davon,
was hätte sein können.

An dieser Stelle muss ich etwas sehr deutlich sagen.

Diese Frauen haben einen klaren Verstand.
Sie sind geistig und psychisch gesund.

Es sind keine realitätsfernen, abhängigen oder unreifen Menschen, wie sie manchmal dargestellt werden, wenn man von außen auf solche Geschichten blickt.

Es sind Frauen, die mitten im Leben stehen.
Frauen, die Familien gegründet und versorgt haben.
Frauen, die vielleicht bereits eine Scheidung durchlebt haben und alleinerziehend sind.
Frauen mit Berufserfahrung, mit Abschlüssen, mit Aus- und Weiterbildungen, mit Verantwortung für sich selbst und andere.

Frauen, die Entscheidungen treffen können.
Die Probleme lösen.
Die ihren Alltag meistern.

Ich betone das so klar, weil ich immer wieder erlebe, dass genau diese Frauen vorschnell als emotional abhängig, als zu sensibel, als blind vor Liebe oder als psychisch instabil eingeordnet werden.

Und das ist nicht nur falsch.
Es verkennt völlig, worum es hier eigentlich geht.

Denn was diese Frauen bindet, ist keine mangelnde Intelligenz und keine fehlende Reife.
Es ist eine Dynamik, die mit Unklarheit arbeitet.
Mit Andeutung statt Entscheidung.
Mit Nähe ohne Verbindlichkeit.

Und genau deshalb greift der Appell zum "Loslassen" so oft ins Leere.

Denn solange etwas nicht klar beendet wurde,
solange keine Entscheidung ausgesprochen wurde,
solange der andere immer wieder auftaucht und gleichzeitig nicht bleibt, gibt es innerlich nichts, was sich einfach "lösen" ließe.

Aktives Loslassen setzt Klarheit voraus.
Ein Ende. Einen Abschluss.

Doch genau diese Klarheit fehlt!

Stattdessen gibt es einen Schwebezustand.
Ein Offensein und ein Nicht-Wissen.

Und in diesem Zustand von Frauen zu verlangen,
sie sollen aktiv loslassen, ist fast grausam.

Denn es suggeriert den eh schon so pflichtbewussten und aktiven Frauen, dass es an ihnen liegt und SIE ES SIND, die etwas tun können, was in Wahrheit noch gar nicht möglich ist.

Ich habe in meiner eigenen Reise NIE LOSGELASSEN.

Nicht einmal.

Und ich behaupte: Die Frau lässt gar nicht los.
Sondern etwas in ihr beginnt allmählich zu verstehen.

Sie erkennt und versteht, dass der Rückzug des Mannes kein vorübergehender Zustand ist, sondern SEINE Haltung.

Dass sein Dazwischen kein Zeichen von Tiefe ist, sondern von Nicht-Verfügbarkeit.

Dass sein Wiederauftauchen nicht Nähe bedeutet, sondern Selbstregulation.

Und dass Liebe, die nur im "Möglichkeitsraum" existiert,
KEINE Liebes-Beziehung ist.

Diese Erkenntnisse lassen sich nicht erzwingen.
Man kann sie nicht beschließen.
Man kann sie nicht "machen".

Langsam und nach und nach versteht die Frau, dass ER nicht will und es nichts mit ihr zu tun hat, sondern mit IHM.

Das ist sehr schmerzhaft.
Manchmal ist es für die Frau auch erleichternd, wenn sie verstanden hat, dass es nicht in ihrer Verantwortung liegt.

Und dann irgendwann geschieht etwas Entscheidendes.

ES lässt sie los.

Es lässt sie die Begeisterung für diesen Mann los.

Das geschieht nicht aus Wut, Trotz oder Disziplin!

Sondern nur aus ihrer Wahrheit.

Dann braucht es kein Loslassen mehr, keinen Kampf, keine Anstrengung, keinen Schmerz und kein Leiden.

Dann fällt etwas ab von ihr. Etwas was nie zu ihr gehört hat, sie jedoch mitgetragen hat.

Und genau deshalb spreche ich so ungern vom aktiven Loslassen.

Weil es viele Frauen unter Druck setzt, die in Wahrheit nicht festhalten, sondern einfach warten.

Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil ihnen nie gesagt wurde, dass es nichts gibt, worauf man noch warten müsste.

Und wenn das einmal klar wird, beginnt etwas ganz anderes.

Nicht, weil sie sich dazu zwingt.
Nicht, weil sie endlich "stark genug" ist.
Und schon gar nicht, weil sie gelernt hat, richtig loszulassen.

Sondern weil sie beginnt, BEI SICH ANZUKOMMEN.

Nicht flüchtig oder als Idee oder als Konzept.
Sondern wirklich.

Sie kommt zurück zu sich selbst.
Zu dem, was sie fühlt.
Zu dem, was sie sich wünscht.
Zu dem, was sie leben will.

Und sie beginnt, sich selbst ernst zu nehmen.
Ohne sich dafür zu erklären.
Ohne sich zu rechtfertigen.
Ohne ihre Sehnsucht klein zu machen oder zu relativieren.

In dem Moment, in dem sie nicht mehr fallen lässt, was ihr wesentlich ist, in dem sie ihre Hoffnung auf Liebe nicht mehr verrät, nicht mehr anpasst und nicht mehr zurücknimmt,
ordnet sich etwas ganz von selbst.

Sie lässt NICHT los!
Sie hält fest.

An sich.
An ihrer Wahrheit.
An dem Leben, das sie leben möchte.

Und genau dadurch verliert das, was nicht dazu passt, seine Anziehungskraft.

Der Mann, der ihr das, wonach sie sich sehnt, nicht geben kann oder nicht geben will, erreicht sie nicht mehr an dieser Stelle.
Er berührt nicht mehr ihren innersten Punkt.

Weil sie aufgehört hat, gegen sich selbst zu leben.

Und genau hier liegt das Paradox, das so viele nie hören:

Man muss nicht loslassen,
wenn man endlich festhält.

Lass NICHT los.
Halte fest!

Nicht ihn.
Dich.

Alles andere
löst sich von selber.


An'Anasha
Eure Stefanie Laura'Adjana <3