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Du glaubst er wird sich entscheiden? Das hat er schon.

 

In meiner Praxis bekomme ich ganz oft dieselben Fragen gestellt, auch wenn sie jedes Mal ein bisschen anders formuliert sind.

Warum entscheidet er sich nicht?
Warum kommt er nicht?
Warum bleibt alles so offen und unklar, obwohl doch Gefühle da sind?

Meine Klientinnen wissen sehr klar, was sie wollen.
Sie kommunizieren offen, dass sie mit diesem Mann in einer Beziehung sein möchten.
Dass sie sich Nähe, Verbindlichkeit und ein gemeinsames Leben vorstellen können.

Sie verstecken diesen Wunsch nicht. Sie formulieren ihn und sie stehen dazu.

Und ihr Unverständnis ist groß.

Denn wenn sie lieben, sind sie bereit, Konsequenzen zu tragen.
Sie sind bereit zu gehen, etwas hinter sich zu lassen, ihr Leben neu zu ordnen, wenn sie glauben, dass echte Liebe auf sie wartet.

Und genau deshalb gehen sie davon aus, dass der Mann das auch tun wird.

Doch hier beginnt ein grundlegendes Missverständnis.

Denn sie schließen von sich auf einen Menschen, der anders gebunden ist.

Viele Männer funktionieren in Beziehungen anders.

Nicht oberflächlicher, nicht liebloser und auch nicht weniger tief.

Aber mit anderen inneren Barrieren und Widerständen, anderen Loyalitäten und einem anderen Verhältnis zu Risiko, Verlust und Verantwortung.

Es stimmt nicht, dass Männer weniger fühlen und es stimmt auch nicht, dass ihnen Bindung egal wäre.

Im Gegenteil.

Vieles spricht sogar dafür, dass feste Beziehungen für Männer emotional eine besonders große Bedeutung haben.

Untersuchungen aus der Bindungs- und Beziehungsforschung zeigen seit Jahren, dass Männer ihre wichtigste emotionale Stütze oft fast ausschließlich in der Partnerschaft finden, während Frauen ihr emotionales Netz breiter aufstellen, über Freundinnen, Familie und Austausch.

Für viele Männer ist die bestehende Beziehung deshalb nicht nur eine Liebesbeziehung, sondern auch ihr zentrales Stabilitäts- und Sicherheitssystem.

Das erklärt, warum Männer sich oft sehr schwer tun, eine bestehende Partnerschaft oder Familie zu verlassen, selbst dann, wenn sie dort nicht glücklich sind.

Hinzu kommt etwas, das meine Klientinnen oft unterschätzen, weil sie selbst ganz anders ticken:
Für viele Männer bedeutet das Verlassen einer Familie nicht nur Trennung, sondern ein persönliches Scheitern.

Scheitern als Mann, scheitern als Partner und scheitern als Vater. Egal wie alt die Kinder sind!
Die "männliche Ehre" sagt: "Sorge für deine Familie!"

Studien zeigen, dass Männer Trennungen häufiger als Identitätsbruch erleben, während Frauen sie, trotz Schmerz, eher als Entwicklungsschritt begreifen können.

Männer verlieren bei einer Trennung oft nicht nur die Beziehung, sondern auch Struktur, Alltag, sozialen Status und das Gefühl, "richtig" zu funktionieren.

Und dann ist da noch etwas sehr Unromantisches, aber Entscheidendes:

Die Bequemlichkeit und die Verdrängung.

Viele Männer, die in ihrer Ehe oder Partnerschaft unzufrieden sind, erleben dieses Unglück nicht dauerhaft. Sie lenken sich ab. Mit Arbeit. Mit Projekten. Mit Freizeit. Mit Funktionieren. Das Unglück wird nicht bearbeitet, sondern umgangen. Solange der Alltag läuft, solange die Kinder da sind, solange Struktur vorhanden ist, muss nichts entschieden werden.
Sie sehen ihre unglückliche Ehe zu wenig, um darunter zu leiden.

Und wenn sie darunter leiden, dann arbeiten sie einfach mehr und nach der Arbeit treffen sie ihre Kumpels oder fahren ins Wirtshaus oder machen Sport. Wenn ein Mann Probleme hat - egal welche - zieht er sich gerne zurück.

Und dann tritt diese andere Frau in sein Leben.

Die Frau, bei der er sich lebendig fühlt. Gesehen, begehrt und verstanden.

Sie ist nicht Alltag.
Sie ist nicht Familie
Sie ist nicht Verantwortung.

Aber - sie ist Gefühl.

Psychologisch gesprochen wird sie zu einem inneren Ausgleichsraum.
Zu einem Ort, an dem er spürt, was ihm im eigenen Leben fehlt, ohne dass er etwas riskieren muss.
Genau deshalb bleibt sie in seiner Wahrnehmung so lange "wunderbar".

Denn sie stellt keine alltäglichen Anforderungen.
Sie fordert keine Entscheidungen ein.
Sie verlangt keinen Umbau seines Lebens.

Warum also alles aufs Spiel setzen?

Warum Familie, Kinder, Sicherheit, Selbstbild und Alltag verlassen für eine Frau, die jetzt zwar wunderbar ist, aber - so seine Annahme - irgendwann auch Alltag werden würde? Alltag, Verantwortung, Konflikt und Verpflichtung?

Viele Männer wählen deshalb die sicherste Variante:
Sie behalten ihr bestehendes funktionierendes Leben.
Und halten gleichzeitig die Verbindung zur "wunderbaren Frau" aufrecht.

Nicht aus Kalkül oder aus Bosheit.
Sondern aus innerer Angst vor Verlust und Überforderung.

Und genau HIER geraten meine Klientinnen in das jahrelange Warten.

Denn sie sind anders.
Wenn sie merken, dass ihre aktuelle Beziehung nicht mehr stimmt, sind sie bereit zu gehen. Sie sind bereit, Konsequenzen zu tragen. Sie scheuen sich selten davor, etwas hinter sich zu lassen, wenn sie glauben, dass echte Liebe auf sie wartet.

Deshalb gehen sie davon aus, dass der Mann das auch tun wird.

Doch diese Annahme übersieht einen entscheidenden Punkt:
Nicht jeder Mensch entscheidet sich für die Liebe.

Manche entscheiden sich für Sicherheit.
Für Struktur und für das Bekannte und Gewohnte.

Und solange ein Mann nicht klar entscheidet, nicht klar spricht, nicht klar handelt, bleibt alles im Schwebezustand.

 

Für ihn vielleicht erträglich.

Für meine Klientinnen zutiefst erschöpfend.

Denn die Hoffnung verbraucht Kraft, wenn sie nicht erwidert wird.

Und genau deshalb ist es so wichtig, dieses Muster einmal von außen zu betrachten.

Nüchtern und ohne Interpretation.

Nicht um den Mann zu verurteilen, sondern um sich selbst zu entlasten.

Denn was sich immer wieder wiederholt, ist kein Übergang, sondern ein Muster.

Und manchmal ist genau das Erkennen des Musters, der erste Moment, in dem eine Frau versteht:

Es liegt nicht an ihr!

Und es liegt nicht daran, dass sie noch mehr Geduld, noch mehr Verständnis oder noch mehr Liebe aufbringen müsste.

Sondern daran, dass dieser Mann sich entschieden hat -
nicht für sie, sondern für sein bestehendes Leben.

Und diese Erkenntnis ist sehr schmerzhaft.

Aber sie ist klar.

Und Klarheit ist das Ende der Täuschung.
Der Selbsttäuschung.

Jetzt könntest du mich fragen:

"Und warum sagt er das nicht klar?"

Und ich frage dich zurück:

Willst du das wirklich hören?

Und würdest du es wirklich ernst nehmen?


An'Anasha
Deine Stefanie Laura'Adjana <3