Jede(r) Ex hat den eigenen systemischen Platz.
Wenn du ihm oder ihr diesen Platz nicht zugestehst,
hat es die aktuelle - oder auch jede zukünftige - Beziehung schwer.
Mir liegt dieses Thema heute sehr am Herzen.
Vor beinahe 30 Jahren, ich war gerade 19, habe ich meine erste systemische Ausbildung gemacht.
Ich wollte verstehen, warum mich bestimmte Dinge so tief treffen, warum meine kindliche Trauer nicht vergeht.
Warum die Verlustangst sich immer wieder meldet.
Warum dieses Gefühl von Ohnmacht so hartnäckig ist.
Aus diesem inneren Wunsch heraus wurde eine mehrjährige Ausbildung.
Ohne Plan oder berufliche Verwertungsabsicht.
"Just for me", weil es mich begeisterte und einfach, weil ich verstehen wollte.
Beruflich nutzte ich das Wissen nicht, erst viele Jahre später -
genauer gesagt über zwanzig Jahre danach.
Dann hat sich das Systemische in meinem neuen Beruf wieder gezeigt.
In meinen Coachings und Aufstellungen.
In den Geschichten der Frauen.
In den immer wiederkehrenden Dynamiken.
Die Ordnung eines Systems, die Frage nach Verantwortung,
nach Ausgleich und nach Zugehörigkeit sind auch zentrale Inhalte therapeutischer Arbeit. So werde ich das systemische Wissen auch in Zukunft
verwenden.
Ein Punkt, der mir besonders am Herzen liegt und der in Beziehungen oft unterschätzt wird, ist der systemische Platz der früheren Partner.
Jede Beziehung hinterlässt einen Platz und einen Abdruck im System.
Zumindest jede Verbindung, die systemisch von Bedeutung war.
Und dieser Platz verschwindet nicht einfach, nur weil eine Beziehung gescheitert oder vorbei ist.
Wenn ein(e) Ex innerlich verdrängt wird, entwertet oder abgewertet, bekämpft oder "vergessen" werden soll,
entsteht Missachtung des Systems.
Systeme brauchen Anerkennung.
Das Gewesene und Geschehene möchte gesehen
und anerkannt werden.
Missachtung bringt ein System unter Spannung.
Ein(e) Ex braucht keinen Platz im aktuellen Alltag.
Keine Rolle im Hier und Jetzt.
Du musst mit ehemaligen PartnerInnen keinen Kontakt haben.
Du kannst dich ganz bewusst dafür entschieden haben,
nicht mehr zu kommunizieren und diese Person nie wieder zu sehen.
Solange sie einen zugestandenen Platz im System hat.
Wird dieser Platz nicht zugestanden,
rutscht er atmosphärisch in die Gegenwart hinein.
In Form von Vergleichen, innerer Unruhe, Spannungen
oder als unsichtbare(r) Dritte(r) in einer neuen Beziehung.
Das belastet nicht nur die neue Partnerschaft.
Es hält auch die eigene Entwicklung fest.
Ordnung heißt nicht, dass alles gut war.
Ordnung heißt, dass alles seinen Platz bekommt.
Jede(r) deiner PartnerInnen war einmal dein Lieblingsmensch.
Auch wenn die Beziehung schwierig war und anstrengend war.
Auch wenn Verletzungen oder Betrug stattgefunden haben.
Auch wenn du nie wieder so einen Menschen an deiner Seite haben willst.
"Wer den letzten Partner nicht ehrt,
ist den neuen nicht wert."
Diesen Satz habe ich mir gemerkt.
Er ist wahr.
Das Besondere an systemischen Gesetzmäßigkeiten
ist ihre Wahrhaftigkeit.
Denn systemische Unordnung lässt sich nicht vertuschen
und nicht schönreden.
Sie wird sichtbar.
Oft sind es die Kinder eines Systems, die diese Unordnung zeigen und den Erwachsenen spiegeln, dass Spannungen existieren - manchmal seit
Generationen.
So kommt es vor, dass Familienstammbäume
über Generationen hinweg dieselben Muster leben,
immer im zeitgeschichtlich modernen Gewand.
Wie in einem Staffellauf werden unaufgelöste Spannungen
von Generation zu Generation weitergegeben.
Ich bin gespannt, was geschehen wird, wenn die "Silent Generation" (geboren 1928–1945) mit all ihren still ertragenen Traumata diesen Planeten
verlässt.
Wer trägt es weiter?
Und wer wird es lösen?
An’Anasha
Eure Stefanie Laura’Adjana ❤️
