Ganz oft höre ich Frauen sagen:
"Ich bin noch nicht so weit."
Oder:
"Ich habe schon so viel an mir gearbeitet und trotzdem finde ich nicht den Richtigen."
Oder:
"Da ist wohl noch etwas, das ich erst lösen muss."
Oder:
"Was muss ich denn noch tun, damit ich den Richtigen finde?"
Diese Sätze klingen reflektiert und sehr verantwortungsvoll.
Sie erzählen jedoch eine ganz bestimmte Geschichte.
Die Geschichte davon, dass Beziehung etwas ist, das man erreichen muss.
Dass Liebe ein Zustand ist, für den man erst anders werden muss.
Dass es etwas gibt, das du noch tun, verstehen oder verändern musst, damit dann der Richtige kommen darf.
Wir sind die Generationen der Selbstoptimierung.
Wir denken nach, wir hinterfragen, wir fühlen, wir reflektieren.
Wir übernehmen Verantwortung und wir arbeiten an uns.
Wir lesen Bücher über Bindungsmuster, hören Podcasts über innere Anteile, über Trauma, Heilung und Selbstregulation.
Wir lernen, uns zu beobachten.
Zu reflektieren.
Zu analysieren.
Zu regulieren.
Zu optimieren.
Zu integrieren.
Zu korrigieren.
Und natürlich sagen wir uns: "Wer, wenn nicht ich?"
Wir sind die "Yes-we-can-Generationen".
Die, die gelernt haben, dass alles möglich ist, wenn man nur genug investiert, genug gibt, genug will.
Wir sind die Frauen, die gelernt haben, dass Scheitern kein Zeichen ist aufzuhören, sondern ein Hinweis, es noch einmal anders zu versuchen.
Mit einem neuen Mindset, mit mehr Bewusstsein, mit einer besserer Ausrichtung.
Wir glauben an Resonanz. An innere Arbeit. An Entwicklung.
Und ja - all das hat seine Berechtigung und ist grundsätzlich nicht falsch.
Aber unbemerkt ist etwas mit uns passiert.
In unseren Köpfen ist eine ganze Bibliothek entstanden.
Nicht nur ein Regal - nein - eine Bibliothek.
Voller kluger Sätze, Regeln, To-dos und Don’ts.
Sie flackern durch unser System wie Werbebanner entlang eines Fußballfeldes. Ständig präsent, ständig kommentierend,
ständig korrigierend und modifizierend.
"Du musst loslassen."
"Vertraue dem Prozess."
"Arbeite erst an dir."
"Wenn du andere Ergebnisse möchtest, triff andere Entscheidungen".
"Du musst dich besser spüren".
"Nimm dir Zeit für dich."
"Schau, was das mit dir zu tun hat.“
"Du ziehst an, was du bist."
"Du musst nur deine Perspektive ändern."
"Alles beginnt in dir."
"Du hast es selbst in der Hand."
"Hör auf deine Intuition."
"Vertrau deinem Gefühl."
"Höre auf deine innere Stimme"
"Mach dich nicht abhängig."
"Bleib bei dir."
"Du brauchst gerade niemanden, nur dich."
"Das passiert nicht ohne Grund."
"Du musst dich selber lieben."
Was sind diese Sätze eigentlich?
Sind es Wahrheiten, oder Appelle?
Und WER in uns spricht da?
Welcher Teil übernimmt hier das Wort?
Und wozu eigentlich?
Während wir all das denken und auch glauben
nehmen wir unbemerkt eine ganz bestimmte Haltung ein.
Und zwar die Haltung, dass WIR und zwar NUR wir, für ALLES die Verantwortung tragen.
Nicht nur für uns selbst, sondern für alles was in unserem Leben klappt und auch nicht klappt.
Auch dafür, dass eine Partnerschaft ausbleibt.
Oder nicht klappt, scheitert, misslingt.
Denn wenn Liebe und Partnerschaft NUR das Ergebnis von Entwicklung ist, dann muss ihr Fehlen bedeuten,
dass wir noch nicht genug getan haben.
Und genau hier sind wir in eine Falle geraten.
In eine SUPER FALLE!
Denn Beziehung ist kein Solo-Projekt!
Und eine gute Partnerschaft ist kein Beweis dafür dass du ausreichend an dir selbst gearbeitet hast.
Für eine Partnerschaft braucht es zwei.
Zwei Menschen - zwei Bereitschaften.
Ja, du kannst viel tun.
Du kannst wachsen, reifen, reflektieren und dich selbst mögen und lieb haben - so wie du bist.
Aber du kannst nicht herstellen, dass ein anderer Mensch so ist, wie du es haben möchtest.
Ja, du bist verantwortlich für DICH und du kannst sehr viel entscheiden, bestimmen und kreieren.
Aber du bist nicht die Allmacht.
Nicht alles, was nicht passiert ist, liegt an dir.
Nicht alles, was noch nicht da ist, ist ein Zeichen von Unreife.
Vielleicht bist du einfach auch nicht allein zuständig?
Partnerschaft ist kein Zustand, den man erreicht, wenn man alles richtig gemacht hat.
Sie ist ein Geschehen zwischen zwei Menschen.
Was sagt JETZT gerade dein "innerer Optimierer"?
Weißt du, er ist nicht böse und er meint es nur gut mir dir, wenn er dir all diese "Appelle" schickt.
Dieser Teil macht das ja nur, damit endlich was passiert. Damit es endlich besser wird.
Du musst diesem inneren Sprecher - dem Selbstoptimierer - gar nicht zuhören.
Du musst auch nichts lösen, oder heilen, oder verbessern.
NICHT, um liebesfähig zu sein.
NICHT, um eine schöne Partnerschaft bekommen zu können.
NICHT, damit Liebe endlich geschehen darf.
Nix musst du tun oder sein oder werden.
Wenn du Freude daran hast, dich besser kennenzulernen, zu verstehen und zu ergründen - wunderbar - reflektiere dich weiter.
Aber tue es nicht als Voraussetzung.
NICHT als Bedingung.
Denn da beginnt die Entlastung...
Dort, wo du aufhörst, dich innerlich von einer Stimme führen zu lassen, die glaubt, dass noch etwas mit dir gemacht werden muss, damit du bist wie du sein
solltest.
Du bist schon.
Nicht fertig, nicht optimiert, nicht "so weit".
Sondern du.
Du bist du.
Und wenn zwei solcher "Du's" einfach SIND - so wie sie eben sind und sich dann über den Weg laufen...
Dann kann Liebe geschehen.
Einfach so.
An'Anasha
Eure Stefanie Laura'Adjana <3
